Im Jahr 2014 hat die Diözese Rollenburg - Stuttgart eine groß angelegte Studie zum Thema Ehrenamt in Auftrag gegeben - die Pragma Studie. Sie finden den Forschungsbericht auf der Homepage: www.ehrenamt.verbindet.de (Diese Homepage enthält viele Informationen zum Ehrenamt – sie können auch testen, welcher Ehrenamtstyp sie sind). Die Studie brachte wichtige, auch überraschende Erkenntnisse. Im Anschluss entschied sich die Diözesanleitung verstärkt die Entwicklung im Bereich Ehrenamt in den Blick zu nehmen.

Im Januar 2018 starteten zehn Ehrenamtskoordinatoren/innen mit einem Stellenanteil von 50 %, in verschiedenen Seelsorgeeinheiten. Sie sollen den Wandel im Ehrenamt aktiv mit gestalten und vielfältige Entwicklungen anstoßen. Mit diesen Projektstellen, ausgelegt auf fünf Jahre, möchte die Diözese den tiefgreifenden Strukturwandel im Ehrenamt aktiv gestalten. Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen dienen einer Weiterentwicklung der Ehrenamtskultur. Die Stellen sind ein wichtiger Beitrag innerhalb des diözesanen Prozesses „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“. Jeder spricht vom Ehrenamt. Das Ehrenamt ist in aller Munde, so unser Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Ehrenamtliches Engagement hat in Baden-Württemberg eine lange und starke Tradition. Darüber bin sehr froh, denn unser Land lebt von seiner offenen und vitalen Bürgergesellschaft.“

Auch Bischof Dr. Gebhard Fürst äußert sich: „Liebe Ehrenamtliche, ohne Ehrenamt wäre unsere Gesellschaft arm und weniger menschlich. Und Kirche wäre ohne das vielfältige Engagement so vieler nicht Kirche. Das freiwillige Engagement ist ein unschätzbarer Reichtum unserer Diözese. So viele Menschen bringen ihre unzähligen Erfahrungen und ihren Glauben ins Spiel. Sie setzen sich ein mit ihrer Kompetenz und ihrem Mut und ihrer Phantasie. Sie investieren Kraft und Zeit. Sie geben der Kirche ein Gesicht an vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Bereichen. Sie alle, die Getauften und Ihre Charismen sind der eigentliche Reichtum der Kirche. Dafür bin ich als Bischof von Herzen dankbar.“

Das Ehrenamt boomt. In der Pragma Studie zum Ehrenamt aus dem Jahre 2014 stellt sich dar, dass das ehrenamtliche Engagement in den letzten 15 Jahren angestiegen ist. 1999 waren 34 % der Menschen in Deutschland ehrenamtlich engagiert, 2014 waren es 44 %. In Baden Württemberg sogar 48,2 %. Viele Freiwillige arbeiten im Bereich Sport und Bewegung, auch in der Schule und im Kindergarten. Im kirchlichen Bereich sind es in Deutschland immerhin 7,6 % und liegt an fünfter Stelle. Das Ehrenamt entwickelt sich kontinuierlich weiter. Inzwischen sprechen wir vom Ehrenamt 4.0.

Was kennzeichnet das Ehrenamt 4.0? Wenn langjährige ehrenamtlich Engagierte in den Kirchengemeinden hören, dass immer mehr Menschen bereit sind etwas zu tun, wundern sie sich sehr. Sie erleben, dass immer mehr Aufgaben auf immer weniger Schultern verteilt werden, dass es schwierig ist, Mitstreiter*innen zu finden. Laut der Studie engagieren sich heute mehr Menschen, aber sie tun es weniger umfänglich. Sie sind weniger bereit Leitungsaufgaben zu übernehmen und bevorzugen selbstorganisierte Formen. Sie wollen eine „sinnvolle“ Tätigkeit, die eine Alternative zum beruflichen Alltag darstellt. Die Digitalisierung die Kommunikation prägt das neue Engagement. Das Ehrenamt 4.0 wird durch ein Engagement gekennzeichnet, dass auf Selbstbestimmung pocht und sich einer „Verplanung“ entzieht. Veränderung steht an … von der Verpflichtung … zur selbstgewählten sinnvollen Aufgabe …von einem hohen Verantwortungsgefühl für die Trägersituation …. zu einer selbst bestimmten und selbst gestaltetem Engagement ….von „Hilfsdiener“… zum gleichwertigen freiwilligen und anerkannten Mitarbeiter …. Vom Beteiligten… zum Akteuren … vom Wohl einer Organisation und ihrer Zugehörigkeit… zur biografischen Passung … von der Dauerverpflichtung … zum zeitbegrenzten Projekt.

Ehrenamtsentwicklung ist auch Kirchenentwicklung. Oft wird in der Kirchengemeinde an die Aufgaben gedacht, die erledigt werden müssen und weniger an die Menschen und ihre Potentiale. Menschen binden sich heute immer weniger langfristig an ein ehrenamtliches Engagement. Wenn sie eine Idee haben, wollen sie mitbestimmen, mitgestalten und auch mitentscheiden. Ihre ganz persönliche Professionalität soll in ihrem Ehrenamt auch eine Rolle spielen. Sie wollen nicht in die Fußstapfen von anderen treten.

Was bedeutet das für unsere Kirchengemeinden? Das Ehrenamt wird sich verändern. Wir werden uns von liebgewonnenen Aktivitäten auf langfristige Sicht verabschieden müssen. Wir werden neue Engagementformen und Engagementinhalte entwickeln müssen und Ehrenamtliche ausdrücklich dazu ermutigen zu experimentieren. Zeitlich, überschaubares Ehrenamt ist gewünscht, so dass mehr auf projektorientierte Formen geachtet werden muss. Menschen anfragen, ihre Ideen ernst nehmen, ermöglichen und nicht ausbremsen. Auch mal was Neues ausprobieren. Wichtig ist dabei die Vernetzung, die Wertschätzung von ehrenamtlicher Tätigkeit, Fort- und Weiterbildung und auch eine verlässliche Ansprechpartnerin.

Diese Aufgaben nehme ich als Ihre Ehrenamtskoordinatorin wahr. Ich bin für die Ehrenamtlichen da, als Ansprechpartnerin, als Netzwerkerin, als Ermöglicherin. Sprechen Sie mich an, nehmen sie Kontakt zu mir auf. Ich freue mich auf das Gespräch mit Ihnen. Meine Kontaktdaten: Ich bin über die Pfarrbüros erreichbar, Postalisch: Pfarrbüro Schwaikheim, Blumenstraße 27, 71409 Schwaikheim. Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Tel. 0151 708 65 707

Brigitte Schäfer – Ehrenamtskoordinatorin in der Seelsorgeeinheit Winnenden – Schwaikheim– Leutenbach